Dienstag, 24. April 2012

ja, ICH trage mein Kind...

So, ich schreibe heute mal aus sehr aktuellem Anlass... in 37 Tagen wird mein kleiner Mann 2 Jahre alt, holla, wie die Zeit vergeht... und ja, er wird noch jeden Tag getragen...
Der Anlass ist so aktuell, weil man sich - je größer er wird - immer mehr dafür rechtfertigen muss, dass man das überhaupt (noch) tut... Deswegen habe ich mir nun gedacht, dass ich mich einfach mal in schriftlicher Form dafür rechtfertige, dann brauch ich den Menschen, die sich darüber wundern (denn das sind ja nicht nur Fremde), einfach den Link schicken und mir die dauernden Wiederholungen sparen... ha ha...


In einem meiner letzten Artikel hatte ich das ja auch schon einmal angerissen, aber mir ist das Thema so wichtig, dass ich nun noch einmal explizit drauf eingehen wollte... 

Wenn ich erst einmal das Alter meines Kindes vollkommen außer acht lasse, ist es trotzdem so, dass es schon Menschen gibt, die das Tragen eines Babys total seltsam finden und gar nicht verstehen können, warum man das überhaupt macht, es gibt ja schließlich auch Kinderwagen...
Meine Antwort darauf könnte am besten wie folgt aussehen:

Ich würde also auch einfach lieber getragen werden, ich finde, das ist schon ein sehr guter Grund - wenn man es für sich selber schon so besser finden würde, wieso soll man es dann für sein Kind anders machen?

Nicht, dass ihr mich falsch versteht - ich hab nichts gegen Kinderwagen... Wir haben ja auch selber einen, aaaber ich muss dazu sagen, dass ich - wenn ich denn da schon eine ungefähre Ahnung davon gehabt hätte, wie toll tragen einfach ist - mir gar keinen angeschafft hätte. 

Gründe dafür gibt es viele... Ich denke, bei uns hat es schon damit angefangen, dass die Geburt nicht ganz so einfach war, es hat leider ein bisschen gedauert, bis der kleine Mann auch das Krankenhaus verlassen durfte - die erste Zeit, die wir so dringend hätten gemeinsam verbringen sollen, die hat er ganz alleine in einem kleinen Bett, verbunden mit lauter Maschinen auf der Intensivstation verbracht... 
Die Geburt hat uns beiden sehr zu schaffen gemacht, es war wirklich schlimm: er wurde schon im Geburtszimmer 3mal wiederbelebt und es hat dann auch noch einmal 3 Tage gedauert, bis er überhaupt so weit stabil war, dass er keine ständige Hilfe mehr brauchte beim atmen und auch soweit, dass die Ärzte relativ sicher waren, dass er es schafft...
Ich will das hier auch nicht weiter ausführen, aber vielleicht hilft das ein bisschen zu verstehen, warum gerade für uns dieser enge Kontakt zueinander noch immer so wichtig ist - diese Zeit am Anfang haben wir leider verpasst, aber wir versuchen dies so gut es geht zu kompensieren...
Ich möchte mein Baby dicht an meinem Herzen tragen und ihm die Nähe und die Sicherheit geben, die er braucht... Genau diese Nähe und diese Sicherheit braucht er aber auch jetzt noch, auch, wenn er nun kein Baby mehr ist - es ist ja auch nicht so, dass ich ihn wie noch ganz am Anfang fast den ganzen Tag durch die Gegend trage, denn klar, er will nun auch die Welt erkunden und viel durch die Gegend laufen, der kleine Tragling ist nur noch ein Teilzeit-Tragling, trotzdem ist er noch ein sehr kleiner Junge, der nun einmal keine Kilometer reißen kann... Soll heißen: selbst wenn ich mit ihm zum Spielplatz laufen und dort Stunden mit Spielen verbringen kann, dann kann so ein kleiner Mensch danach schon sehr müde sein, warum soll ich ihn dann also nicht tragen dürfen? 
Selbst Leute, die mir sehr wichtig sind, können das nicht unbedingt verstehen - sowohl Kinderlose, als auch welche, die selber Kinder haben - die Argumente gegen das Tragen variieren dabei allerdings sehr stark:

  1. "der ist doch schon viel zu groß und viel zu schwer, damit machst du dir den Rücken kaputt"
    dazu kann ich nur sagen, dass das totaler Quatsch ist und sogar das Gegenteil der Fall ist: seit ich Henry trage, geht es meinem Rücken super... Ich hatte ganz lange immer Rückenschmerzen, aber nun ist mein Rücken im Training - der kleine Mann wird getragen und gleichzeitig wird meine Rückenmuskulatur gestärkt...
  2. "willst du dir nicht lieber einen Buggy anschaffen, das ist doch viel praktischer"
    ähm, nein, also mal so gar nicht - wenn ich zum Spielplatz laufe, dann geh ich zum Beispiel vielleicht an der Straße entlang, dann ist es besser, wenn ich beide Hände frei habe und den kleinen Mann vielleicht auch mal an die Hand nehmen kann, wenn ich aber dann einen Buggy schieben muss, dann kann ich das nicht so... mein Tuch passt in die Handtasche, wenn ich es nicht brauche, so ein Buggy nicht... also, was ist da denn wohl praktischer? mal davon abgesehen sieht ein Tuch viel besser aus.
  3. "du verwöhnst ihn total, du musst ihm das abgewöhnen, sonst musst du ihn für immer tragen"
    mein Kind soll verwöhnt werden - das also zuerst mal und ich bin mir auch ziemlich sicher, dass ich ihn nicht für immer tragen werde, denn es wird gar nicht so ewig lange dauern, dann ist er größer und stärker als ich, ha ha...
  4. "der zappelt und weint nur, weil er da nicht rein will - wieso zwingst du ihn dazu?"
    mittlerweile trage ich ihn hauptsächlich, wenn er müde ist, dann zappelt und weint er, weil es Probleme mit dem Einschlafen hat, glaubt es ruhig, das Tragen hilft ihm dabei in den Schlaf zu finden - ich zwing ihn zu gar nichts... ja, er protestiert, wenn er müde ins Tuch kommt, aber ich will für mein Kind nur das Beste und innerhalb von nicht mal einer Minute protestiert er dann auch einfach nicht mehr und schläft so dann auch einfach besser (ein)...

Ich meine, ich finde es ja schön und gut, dass sich meine Mitmenschen Gedanken machen, aber es ist nun einmal totaler Quatsch... Seht es doch mal so: wir müssen das so nicht machen, wir machen es aber, weil es uns gut tut und das ist auch die Hauptsache (und das möchte ich auch gerne all denen mitgeben, die sich auch immer wieder solche Kommentare anhören müssen):

wenn es euch damit gut geht und ihr euch wohl fühlt,
dann macht weiter so, denn dann ist das der richtige Weg!
Macht es so, wie es sich richtig anfühlt und wie es für euch gut ist!


Bei uns sieht es abends so aus: 
Tragen ist nicht nur hilfreich, um kleinen Menschen von A nach B zu verhelfen, nein, es ist so viel mehr... Man ist sich nah, man spürt den anderen, die Wärme, das Gefühl von Sicherheit, die Geborgenheit, man riecht sich, man kann gute-Nacht-Küsse verteilen...
Kinderwagen sind eine neumodische Erfindung - über Jahrhunderte wurde getragen und es hat keine Nachteile - wieso soll man es also nicht tun?

Auch auf die Frage gibt es oftmals seltsame Antworten: 
"man ist Tragen öko, das will ich nicht und aus Afrika komm ich auch nicht"
Klar, tragen kann sehr öko sein, wenn man es denn will, aber man kann auch damit spielen... ein tolles Beispiel dafür ist das hier:
(das Bild ist von Obimama)
Ganz ehrlich, wenn ich solche Schätze sehe, dann würde ich auch gerne ein bisschen mehr öko werden... 

Dabei haben wir unseren Stil auch in unserer Tragehilfe eigentlich schon längst gefunden...
Für mich ist Tragen nämlich gar nicht öko, sondern neben praktisch und herzerwärmend auch noch total stylisch - frei nach dem Motto "Rock´n´Roll Baby!"
Also, liebe Freunde und liebe Skeptiker - ich freu mich über Fragen zum Tragen, aber die müssen schon konstruktiv sein... ich rede gerne übers Tragen und ich erkläre es euch auch gerne, aber bitte bitte versucht es mal von meiner Seite zu sehen:

Es geht uns gut damit, es macht uns glücklich - so lange das der Fall ist, wird es weiter gemacht (das heißt aber auch, dass es andere durchaus anders handhaben sollen und dürfen, wenn die sich dabei nicht gut fühlen, dann sollen sie es lieber lassen - aber für uns ist es das Richtige)! Es ist sowieso früh genug vorbei, denn eh wir uns versehen, ist der kleine Mann wohl in der Schule und schwups hat er selber Kinder, ha ha...
Wir würden es nicht machen, wenn es doof wäre und man kann so kleinen Menschen nicht zu viel Liebe, Nähe und Aufmerksamkeit geben - jeder, der was anderes behauptet, redet Quatsch.










Kommentare:

  1. Kein Kommentar dazu? Das muss man ändern!!!
    Ich finde es ganz, ganz, ganz toll, dass du dein Kind immer noch trägst und damit auch nicht aufhören möchtest! Solche Mamis sollte es öfter geben :) *Daumen hoch*

    Ich finde deinen ganzen Blog übrigens absolut lesenswert! Ich bin aufgrund deiner sensationellen Kinderküche hier her gekommen (Link wurde mir geschickt, weil ich auch vor habe, jetzt im Sommer eine für meine Tochter zu bauen, aber SO toll wird sie wohl nicht werden) und habe deinen Blog nun abonniert! Ich freue mich drauf, mehr Sachen von dir zu lesen und zu sehen!

    Liebe Grüße aus Österreich,
    Applytree

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    1. Danke für die lieben Worte...

      und Danke auch fürs abonnieren, du bist Nummer 1! (vielleicht werde ich doch noch reich und berühmt oder so... :D )

      Küchenbau war wirklich gar nicht sooooooooooo schwierig, wenn du noch Tipps haben magst, darfst du dich gerne nochmal melden und Bilder würde ich dann auch gerne sehen...

      Gruß in den Süden aus dem hohen Norden... :)

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  2. Das Beste ist ja, wenn genau diese Leute die kritisieren das man sein Kind mit zwei oder drei trägt, das das Kind ja schon laufen könnte, ihr Kind oder Enkelkind bis fünf Jahren immer im Buggy durch die Gegend fahren. Das hat für mich irgendwie was von Wegsperren. Das Kind ist quasi still gestellt (gesetzt) und man muss sich nicht damit auseinandersetzten, wenn es weg läuft oder irgendwetwas sieht oder haben will (z.B beim Einkaufen) oder irgenwo hinläuft wo es nicht hin soll. Das Kind ist ja mehr als eine Armlänge von einem entfernt und schaut den/die BuggyfahrerIn meistens ja nicht an. Das ist beim tragen nicht so, man ist immer noch inständiger Beziehung/Kommunikation mit dem mit dem Kind. Und potenziell tragen die jenigen die Kinder tragen meiner Meinung nach auch weniger als die die sie in einen Buggy setzen, also die Kinder laufen mehr.

    Bin gerade geprägt von meinem gestrigen Besuch im Einkaufszentrum bei dem ich ganz viele Buggykinder gesehen habe, wo ich mir entweder (bei kleineren Kindern gedacht habe: Mensch wie schade das diese Mütter(es waren doch meistens die Mütter die geschoben haben) sich diese Beziehungszeit nehmen lassen. Und bei den älteren Kindern dachte ich mir: Wie einfach man es sich doch machen kann und wie schade für die Kinder.

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