Posts mit dem Label die lieben Kleinen... werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label die lieben Kleinen... werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 24. April 2012

ja, ICH trage mein Kind...

So, ich schreibe heute mal aus sehr aktuellem Anlass... in 37 Tagen wird mein kleiner Mann 2 Jahre alt, holla, wie die Zeit vergeht... und ja, er wird noch jeden Tag getragen...
Der Anlass ist so aktuell, weil man sich - je größer er wird - immer mehr dafür rechtfertigen muss, dass man das überhaupt (noch) tut... Deswegen habe ich mir nun gedacht, dass ich mich einfach mal in schriftlicher Form dafür rechtfertige, dann brauch ich den Menschen, die sich darüber wundern (denn das sind ja nicht nur Fremde), einfach den Link schicken und mir die dauernden Wiederholungen sparen... ha ha...


In einem meiner letzten Artikel hatte ich das ja auch schon einmal angerissen, aber mir ist das Thema so wichtig, dass ich nun noch einmal explizit drauf eingehen wollte... 

Wenn ich erst einmal das Alter meines Kindes vollkommen außer acht lasse, ist es trotzdem so, dass es schon Menschen gibt, die das Tragen eines Babys total seltsam finden und gar nicht verstehen können, warum man das überhaupt macht, es gibt ja schließlich auch Kinderwagen...
Meine Antwort darauf könnte am besten wie folgt aussehen:

Ich würde also auch einfach lieber getragen werden, ich finde, das ist schon ein sehr guter Grund - wenn man es für sich selber schon so besser finden würde, wieso soll man es dann für sein Kind anders machen?

Nicht, dass ihr mich falsch versteht - ich hab nichts gegen Kinderwagen... Wir haben ja auch selber einen, aaaber ich muss dazu sagen, dass ich - wenn ich denn da schon eine ungefähre Ahnung davon gehabt hätte, wie toll tragen einfach ist - mir gar keinen angeschafft hätte. 

Gründe dafür gibt es viele... Ich denke, bei uns hat es schon damit angefangen, dass die Geburt nicht ganz so einfach war, es hat leider ein bisschen gedauert, bis der kleine Mann auch das Krankenhaus verlassen durfte - die erste Zeit, die wir so dringend hätten gemeinsam verbringen sollen, die hat er ganz alleine in einem kleinen Bett, verbunden mit lauter Maschinen auf der Intensivstation verbracht... 
Die Geburt hat uns beiden sehr zu schaffen gemacht, es war wirklich schlimm: er wurde schon im Geburtszimmer 3mal wiederbelebt und es hat dann auch noch einmal 3 Tage gedauert, bis er überhaupt so weit stabil war, dass er keine ständige Hilfe mehr brauchte beim atmen und auch soweit, dass die Ärzte relativ sicher waren, dass er es schafft...
Ich will das hier auch nicht weiter ausführen, aber vielleicht hilft das ein bisschen zu verstehen, warum gerade für uns dieser enge Kontakt zueinander noch immer so wichtig ist - diese Zeit am Anfang haben wir leider verpasst, aber wir versuchen dies so gut es geht zu kompensieren...
Ich möchte mein Baby dicht an meinem Herzen tragen und ihm die Nähe und die Sicherheit geben, die er braucht... Genau diese Nähe und diese Sicherheit braucht er aber auch jetzt noch, auch, wenn er nun kein Baby mehr ist - es ist ja auch nicht so, dass ich ihn wie noch ganz am Anfang fast den ganzen Tag durch die Gegend trage, denn klar, er will nun auch die Welt erkunden und viel durch die Gegend laufen, der kleine Tragling ist nur noch ein Teilzeit-Tragling, trotzdem ist er noch ein sehr kleiner Junge, der nun einmal keine Kilometer reißen kann... Soll heißen: selbst wenn ich mit ihm zum Spielplatz laufen und dort Stunden mit Spielen verbringen kann, dann kann so ein kleiner Mensch danach schon sehr müde sein, warum soll ich ihn dann also nicht tragen dürfen? 
Selbst Leute, die mir sehr wichtig sind, können das nicht unbedingt verstehen - sowohl Kinderlose, als auch welche, die selber Kinder haben - die Argumente gegen das Tragen variieren dabei allerdings sehr stark:

  1. "der ist doch schon viel zu groß und viel zu schwer, damit machst du dir den Rücken kaputt"
    dazu kann ich nur sagen, dass das totaler Quatsch ist und sogar das Gegenteil der Fall ist: seit ich Henry trage, geht es meinem Rücken super... Ich hatte ganz lange immer Rückenschmerzen, aber nun ist mein Rücken im Training - der kleine Mann wird getragen und gleichzeitig wird meine Rückenmuskulatur gestärkt...
  2. "willst du dir nicht lieber einen Buggy anschaffen, das ist doch viel praktischer"
    ähm, nein, also mal so gar nicht - wenn ich zum Spielplatz laufe, dann geh ich zum Beispiel vielleicht an der Straße entlang, dann ist es besser, wenn ich beide Hände frei habe und den kleinen Mann vielleicht auch mal an die Hand nehmen kann, wenn ich aber dann einen Buggy schieben muss, dann kann ich das nicht so... mein Tuch passt in die Handtasche, wenn ich es nicht brauche, so ein Buggy nicht... also, was ist da denn wohl praktischer? mal davon abgesehen sieht ein Tuch viel besser aus.
  3. "du verwöhnst ihn total, du musst ihm das abgewöhnen, sonst musst du ihn für immer tragen"
    mein Kind soll verwöhnt werden - das also zuerst mal und ich bin mir auch ziemlich sicher, dass ich ihn nicht für immer tragen werde, denn es wird gar nicht so ewig lange dauern, dann ist er größer und stärker als ich, ha ha...
  4. "der zappelt und weint nur, weil er da nicht rein will - wieso zwingst du ihn dazu?"
    mittlerweile trage ich ihn hauptsächlich, wenn er müde ist, dann zappelt und weint er, weil es Probleme mit dem Einschlafen hat, glaubt es ruhig, das Tragen hilft ihm dabei in den Schlaf zu finden - ich zwing ihn zu gar nichts... ja, er protestiert, wenn er müde ins Tuch kommt, aber ich will für mein Kind nur das Beste und innerhalb von nicht mal einer Minute protestiert er dann auch einfach nicht mehr und schläft so dann auch einfach besser (ein)...

Ich meine, ich finde es ja schön und gut, dass sich meine Mitmenschen Gedanken machen, aber es ist nun einmal totaler Quatsch... Seht es doch mal so: wir müssen das so nicht machen, wir machen es aber, weil es uns gut tut und das ist auch die Hauptsache (und das möchte ich auch gerne all denen mitgeben, die sich auch immer wieder solche Kommentare anhören müssen):

wenn es euch damit gut geht und ihr euch wohl fühlt,
dann macht weiter so, denn dann ist das der richtige Weg!
Macht es so, wie es sich richtig anfühlt und wie es für euch gut ist!


Bei uns sieht es abends so aus: 
Tragen ist nicht nur hilfreich, um kleinen Menschen von A nach B zu verhelfen, nein, es ist so viel mehr... Man ist sich nah, man spürt den anderen, die Wärme, das Gefühl von Sicherheit, die Geborgenheit, man riecht sich, man kann gute-Nacht-Küsse verteilen...
Kinderwagen sind eine neumodische Erfindung - über Jahrhunderte wurde getragen und es hat keine Nachteile - wieso soll man es also nicht tun?

Auch auf die Frage gibt es oftmals seltsame Antworten: 
"man ist Tragen öko, das will ich nicht und aus Afrika komm ich auch nicht"
Klar, tragen kann sehr öko sein, wenn man es denn will, aber man kann auch damit spielen... ein tolles Beispiel dafür ist das hier:
(das Bild ist von Obimama)
Ganz ehrlich, wenn ich solche Schätze sehe, dann würde ich auch gerne ein bisschen mehr öko werden... 

Dabei haben wir unseren Stil auch in unserer Tragehilfe eigentlich schon längst gefunden...
Für mich ist Tragen nämlich gar nicht öko, sondern neben praktisch und herzerwärmend auch noch total stylisch - frei nach dem Motto "Rock´n´Roll Baby!"
Also, liebe Freunde und liebe Skeptiker - ich freu mich über Fragen zum Tragen, aber die müssen schon konstruktiv sein... ich rede gerne übers Tragen und ich erkläre es euch auch gerne, aber bitte bitte versucht es mal von meiner Seite zu sehen:

Es geht uns gut damit, es macht uns glücklich - so lange das der Fall ist, wird es weiter gemacht (das heißt aber auch, dass es andere durchaus anders handhaben sollen und dürfen, wenn die sich dabei nicht gut fühlen, dann sollen sie es lieber lassen - aber für uns ist es das Richtige)! Es ist sowieso früh genug vorbei, denn eh wir uns versehen, ist der kleine Mann wohl in der Schule und schwups hat er selber Kinder, ha ha...
Wir würden es nicht machen, wenn es doof wäre und man kann so kleinen Menschen nicht zu viel Liebe, Nähe und Aufmerksamkeit geben - jeder, der was anderes behauptet, redet Quatsch.










Mittwoch, 28. März 2012

Das ist doch nicht normal!


Es gibt in der Welt ja schon ein paar seltsame Menschen - so Menschen, die einem über den Weg laufen und die einen zwingen ganz doll mit dem Kopf zu schütteln…

Ich mag ja so Menschen einfach nicht so gerne, die der Meinung sind, dass sie
  1. mein Kind besser kennen, als ich es tue;
  2. der Meinung sind, dass alles schlecht ist, was man mit seinem Kind tut;
  3. die denken, sie können Eiscreme scheißen und dass sie die idealen Menschen sind und sowieso immer wissen, was die ideale Vorgehensweise ist…
Wenn ein Kind nicht so ganz ideal ist – also keine 21 Stunden am Tag schläft ‒ dann trifft man ganz viele solche Menschen… Heute war mal wieder so ein Tag – wahrscheinlich ziehen zwei Kinder solche Menschen aber auch doppelt so stark an, wie nur ein Kind…

Der Tag durfte so schön beginnen, es ist Frühling, die Sonne scheint und die bekloppten Menschen kriechen alle aus ihren Löchern. Schade.

Heute gab es gleich mehrere Begegnungen mit dieser anderen Art von Menschen, aber wenn man keine idealen Kinder  hat, dann passiert einem das wohl öfter, als einem lieb ist. Was wirklich schade ist, ist allerdings, dass man so Sachen, die man diesen Menschen gerne an den Kopf werfen würde entweder gerade nicht zur Hand hat (ich träume ja manchmal von Backsteinen!) oder sie einem erst später einfallen… Sprachlosigkeit ist nämlich so eine Sache, die oftmals passiert, wenn man einfach so fassungslos und ungläubig ist…

Nach meinem letzten Blogeintrag kam ganz viel Feedback – viel davon von anderen Muttis, die sich sehr damit identifizieren konnten, was ich da so von mir gegeben habe und auch sie haben so seltsame Menschen getroffen (die Damen, die sich hier angesprochen fühlen – ich möchte eure liebsten Erlebnisse gerne noch in schriftlicher Form, ich denke, sie würden den einen oder anderen hier zu einem sehr ungläubigen Lachen verhelfen…)
Beim Austausch über diese Sachen ist mir auch ein Erlebnis wieder in den Kopf gekommen, mit dem ich nun hier mal anfangen möchte – da war der kleine Mann nämlich noch ganz klein, ich bin heute also einfach mal ein bisschen chronologisch, ha ha…

Es war einmal im Sommer 2010 – Henry war gerade ein paar Wochen alt und ich saß mit ein paar Freundinnen in einem Café. Als sich der Hunger gemeldet hat, habe ich den kleinen gestillt.
--> bis hierhin eine ganz schöne Gesichte. Ha ha. Ist ja auch nur eine der allernatürlichsten Sachen der Welt…
Der Jemand am Tischen nebenan fühlte sich dadurch allerdings doch sehr gestört, deswegen ereignete sich folgender Dialog:
„Muss das in der Öffentlichkeit sein?!“
„Ja, Sie essen doch auch in der Öffentlichkeit, gerade?“
„Ich esse aber auch keine Brüste.“

Was ich mit diesem Beispiel sagen möchte? Hallo Welt, was ist da los? Wo ist die Toleranz? Ach ja, Deutschland mag ja keine Kinder, ich erinnere mich, aber mal ehrlich, was soll man denn machen? Sich die ersten zwei Jahre mit seinem Kind Zuhause einschließen und so tun, als würde man gar nicht existieren?!
Das wäre dann sicher auch den Menschen in den Bussen ganz recht – wenn man gerne mal das Gefühl haben möchte, der Mittelpunkt aller Aufmerksamkeit zu sein, dann muss man nur mit einem schreienden Kind in einen vollen Bus steigen! Das Problem an dieser Sache ist nur, dass man es dann einfach nicht richtig machen kann – denn was ja jeder weiß: das ideale Kind schreit niemals!
Es gibt zwei Szenarien, wie man mit einem schreienden Baby in einem Bus sein kann

  1. Möglichkeit:  
das Baby liegt in einem Kinderwagen. Weil der Bus voll ist, spricht man zwar mit ihm, kann es aber nicht herausnehmen, weil man mit einem schreienden Baby auf dem Arm nicht mehr die Möglichkeit hat sich so festzuhalten, dass es für beide sicher ist zu stehen – Verständnis gibt es dafür keins, man ist schon echt ne Rabenmutter!

  1. Möglichkeit:
das Baby ist in einem Tragetuch oder einer Tragehilfe. Dann ist für den gemeinen Menschen klar, warum das Kind schreit – es können keine niederen Instinkte sein, es kann nur daran liegen, dass man das Kind in so was reingezwängt hat – egal, was man in der Situation tut, man kann es nur falsch machen.

Wo wir dann auch schon bei meinem heutigen Erlebnis wären (wirklich alle anderen Sachen hier aufzuschreiben, würde den Rahmen mehr als sprengen…).

Heute waren wir also einkaufen, einer müde und quengelig und auf dem Boden sitzend und nicht mehr aufstehen wollend (ich habe mir vorgenommen, dass mein Kind nicht 3 wird, das scheint anstrengend zu sein – sowieso ist es so, dass man wohl immer denkt, dass es bald besser und einfach(er) werden muss und dann ist das eindeutig nicht der Fall, aber man wächst ja an seinen Aufgaben…), das andere Kind äußerst vergnügt auf meinem Rücken.
Verständnislose Blicke sind dann eine Sache, aber unqualifizierte Kommentare sind da doch noch ein bisschen häufiger… wo wir also bei den Menschen wären, die der Meinung sind, dass sie eh alles besser wissen – hier die Fakten:

  1. Mutter und Tochter schieben einen fürchterlich hässlichen Kinderwagen vor sich her (beige braunes Blümchenmuster – mal ehrlich, die einzigen Blumen, die so sind, sind welk und tot!) und schauen sehr ungläubig.
  2. Kommentar: „ Wenn man so was auf seinem Rücken trägt… nee nee… damit macht man sich nur den Rücken kaputt!“
--> an dieser Stelle würden sich auch beliebige andere Kommentare einfügen, ich hab da so ein paar persönliche Favoriten:
1. „du verwöhnst dein Kind.“
2. „du sorgst damit dafür, dass dein Kind nicht ordentlich laufen lernt.“
3. „das Kind wird immer von dir abhängig sein!“
4. „man sollte sein Kind nicht so knebeln.“
5. „das kann nicht gut sein für die Entwicklung.“
6. „kauf dir doch lieber einen Buggy, wenn das Kind nicht mehr in den Kinderwagen passt, das ist doch viel handlicher.“
7. „das sieht ja gar nichts!“
8. „das ist egoistisch, irgendwann muss man sich auch abnabeln!“
9. „das macht man doch nur in Afrika!“

  1. die beiden gehen kopfschüttelnd an uns vorbei.
  2. wir gehen raus, die beiden sitzen neben dem Kinderwagen an der Bushaltestelle und rauchen.
  3. schade, ein Ziegelstein hätte das wohl auch nicht besser gemacht.
Gut an der Sache ist allerdings nur, dass man nach gewisser Zeit doch auch ein bisschen abstumpft, die Beschimpfungen und das Kopfschütteln bringen mich mittlerweile sogar eher zum lachen – trotzdem sollte ich mir mal eine Liste mit Sachen einprägen, die ich in solchen Situationen abrufen kann.

Der Tag ging dann aber weiter und die nächste Begegnung der anderen Art ließ nicht lange auf sich warten.
Da stand sie, auf dem Balkon, die gute M. – eigentlich eine nette eine, aber mit Weltanschauungen, die mir als Mama nicht verständlich sind:

„Das ist aber nicht normal oder?“ – mein Sohn ist 21 Monate alt, ich bin eigentlich ganz froh, dass er nicht mit jedem spricht, eher scheu ist und eine fremde Person von ihm erst ein Lächeln bekommt, wenn sie nicht mehr fremd ist.
M. scheint das anders zu sehen.
Davon abgesehen, dass sie davon ausgegangen ist, dass er schon 3 Jahre alt ist – was ja klar ist, denn er hatte ja eine Dreijährige neben sich stehen und er sieht natürlich so aus, als sei er genauso groß, genauso alt und eigentlich müsste er auch schon tiefgründige Gespräche über Überweisungsträger und Atomphysik führen können – sehe ich ja ein…
Aber wo waren wir stehen geblieben?
M. war außerdem der Meinung, dass man dafür sorgen müsste, dass sich das ändert (nebenbei merke ich noch mal an, dass er sie an diesem Tag das erste Mal in seinem Leben gesehen hat!) – sie hat also vorgeschlagen, dass es das beste wäre, wenn sie ihn gleich mal mitnehmen würde, am besten zum Hund, weil er vor dem ja selbstverständlich Angst haben würde… ha ha.
Ähm, nein, würde er nicht, denn er mag Hunde, Tiere sind ihm sowieso um einiges sympathischer als Menschen, wie das wohl kommt?!
„Du ja aber, ne?“ *lach* (zur Dreijährigen gewand)  - ähm, ja, kleine Mädchen dürfen auch Angst haben, wenn sie auf einem Spielplatz schon mal von einem verrückten Hund angebellt worden sind und die Besitzerin es nicht mal für Nötig hält sich zu entschuldigen – bei Kindern muss man sich ja auch nicht entschuldigen, wenn diese einen Schreck bekommen, ist ja klar, sind ja auch keine autonomen Menschen.

Ja, Angst ist natürlich super, man sollte jeden Menschen mit Angst erziehen, das muss gut sein, so werden die kleinen Menschen bestimmt in der Zukunft auch selbstbewusste Menschen, die glücklich durchs Leben gehen…
Vielleicht sollte ich M. mal besuchen gehen, ihr eine Handfeuerwaffe an den Kopf halten und sagen „oh, ja, lustig, Angst ist gut und so, har har har!“ dabei könnte ich dann noch ein bisschen irre schauen und sagen, dass meine Eltern mir früher auch immer Angst gemacht haben und ich es mir zum Ziel gesetzt habe, alle bösen Erwachsenen zu bestrafen – Rächerin der sich-noch-nicht-wehren-könnenden-Kinder oder so?

Auf dem Rückweg ist das Kind leider auch noch auf die Nase gefallen und hat mit dem Gesicht gebremst, Stirn, Nase, Kinn, Wangen – alles, was auch nur ein bisschen absteht, ist leider betroffen… er sieht wirklich ein bisschen schlimm aus.
Es geht ihm aber gut, Kinder fallen beim Spielen nun mal auch mal hin – es sieht ja zum Glück meistens schlimmer aus, als es ist. (Ich habe echt überlegt, ob ich das Bild hier reinstellen soll - aber, auch, wenn es weh tut, man kann die Kleinen leider nicht vor allem beschützen, auf dem Foto ist er schon wieder ganz happy - Schürfwunden gehören nun mal zum Großwerden dazu... - ich denke mir nur, dass die Frauen mit dem Kinderwagen nun einen dummen Spruch auf den Lippen hätten, warum ich das Kind denn nicht getragen hab und warum er selber laufen musste...)

Ich denke aber, ich möchte M. gerne besuchen und ihr sagen, dass ich mir zu Herzen genommen habe, was sie gesagt hat, dass es einfach nicht normal ist, dass er nicht mit jedem spricht, er sollte lieber von jedem Süßigkeiten annehmen und in jedes Auto einsteigen (deswegen sagt er wohl auch so gerne „Auto“?) und dass ich ihn dafür bestraft hab, es soll ihm eine Lehre sein, dass er so schüchtern ist. Vielleicht merkt sie dann, dass sie ihre Einstellung mal überdenken sollte?
Ja, ich denke, dann würde ich mich besser fühlen.

Schreiben ist aber auch gut. Ich fühl mich schon besser. So.




Sonntag, 25. März 2012

das ideale Kind, der Frischkäse und warum man nicht unter Küchenschränke schauen sollte...

Der kleine Mann und ich sind gerade auf Bildungsreise.
Daheim ist es doch immer eher ein wenig schwieriger die Nase in die Bücher zu stecken, wenn immer jemand dazwischen funkt und man jeden Satz 37x anfängt, nur um es dann ganz zu lassen - leider schreibt sich so eine Thesis ja nicht alleine, deswegen sind wir nun also weggefahren...


Nun bin ich bei meiner Freundin und ihrer doch mehr oder weniger sehr trotzköpfigen kleinen Tochter. Nachmittags treiben die sich auf den Spielplätzen in der Umgebung herum und ich lese fürchterlich schlaue Bücher.

Nun bin ich also hier und habe festgestellt, dass unsere Kinder einfach total ideal sind (frei nach...)... meiner Meinung nach ist das ideale Kind aber noch viel viel viel viel idealer, praktisch am idealstensten... wir gehen also nun erstmal davon aus, dass mein Kind ein ideales Kind ist:

  1. das ideale Kind schläft nicht nur um 18 Uhr, sondern putzt sich auch eigenständig die Zähne und wäscht vorher noch das Geschirr vom Abendessen ab.
  2. das ideale Kind schläft also nicht nur fürchterlich gerne, sondern auch noch immer, wenn die Mama das gerne möchte und auch so lange, wie die Mama das möchte - es lässt sich also durchaus auch als Wecker benutzen, wenn man nämlich nicht um 7, sondern lieber erst um 9:30 Uhr aufstehen möchte, dann weiß das ideale Kind das natürlich. 
  3. das ideale Kind schläft schon von Geburt an durch und auch beim Zahnen ändert sich das nicht.
  4. das ideale Kind schläft mindestens 14 Stunden in der Nacht, ohne Pausen! (falls das nicht ganz klappen sollte, dann kann man die 3er Milch noch mit Grießbrei und Saucenbinder andicken!)
  5. das ideale Kind muss nur hingelegt werden, nicht mal Vorlesen oder geschweige denn Vorsingen ist notwendig, damit es glücklich ins Land der Träume entschwindet - das ganze dauert nicht mal 37 Sekunden.  
  6. ideale Kinder gibt es überall, alle haben eins Zuhause, ein Kind das seine Eltern immer nur zum Lächeln bringt - alle Eltern, die man so trifft, können ein Lied davon singen: "meine Mathilda Charlotte  schläft so gerne und immer und sowieso!", "der kleine Kevin Justin geht schon ganz alleine ins Bett - in sein eigenes Bett in seinem eigenen Zimmer und morgens wacht er erst um 10 auf!"
großartig, es hat uns also auch die ganze Zeitverschieberei nichts ausgemacht... und die kleine Maus, die hier wohnt ist auch nicht mitten in der Trotzphase, die noch viel viel viel viel schlimmer wird, wenn man unglaublich müde ist... 

Das Schlafverhalten von idealen Kindern haben wir nun also geklärt. Ideale Kinder sind aber immer ideal! 
Wie das aussieht, sieht man hier:
Kommen wir nun also zu den weiteren Merkmalen des idealen Kindes...
  1. wenn mehr als ein ideales Kind auf einem Haufen zu finden sind, streiten diese idealen Kinder sich niemals, sie benutzen immer die Worte "bitte" und "danke" und würden auch niemals auf die Idee kommen einander Spielzeug wegzunehmen oder sich gar zu hauen!
  2. ideale Kinder sind auch in der Mehrzahl immer leise!
  3. "Quatsch" ist ein Fremdwort für das ideale Kind - das ideale Kind macht niemals Quatsch.
  4. das ideale Kind sorgt außerdem dafür, dass die Wohnung immer sauber ist - es würde niemals auf die Idee kommen irgendetwas auf den Boden zu werfen und wenn das doch mal aus Versehen passieren sollte, dann räumt das ideale Kind danach natürlich sofort auf. 
  5. das ideale Kind kann auch schon mit 2 Jahren ganze Menüs kochen, 5 Gänge sind dabei keine Seltenheit - wenn es also Hunger hat, muss man überhaupt nichts tun. Es geht dann selbstständig zum Kühlschrank und nimmt sich alles, was es für eine gesunde und ausgewogene Ernährung so braucht - Gläschennahrung ist also eigentlich nicht notwendig. Dabei muss man auch nicht darauf achten, dass das ideale Kind unter Umständen müde ist und aus dem Kühlschrank fallen könnte (dies könnte nur nach 18 Uhr geschehen und da schläft das ideale Kind  bekanntlich schon!), außerdem ist es nicht möglich, dass das ideale Kind bei einem Sturz mit dem Hinterteil an irgendwelchen zur Hilfe heran geschobenen Möbelstücken entlang rutscht und sich dabei schlimmste Verletzungen hinzufügt (das könnte ja aber sowieso nur passieren, wenn das Kind heimlich in die Küche verschwinden würde und das tut das ideale Kind niemals!)
Es kann also auch niemals passieren, dass das ideale Kind morgens um 6:37 Frischkäse aus dem Kühlschrank entführt, um diesen genüsslich zu löffeln, denn das ideale Kind ernährt sich instinktiv gesund und ausgewogen. Man kommt also als Mutter niemals in die Bredouille seinem Kind so ein niederes Lebensmittel wegnehmen zu wollen und somit kann es auch niemals passieren, dass man ungewollt eine Frischkäsehaarkur auf seinem Kopf findet - man muss auch nicht damit rechnen, dass man für so eine Tat mit Tritten in den Bauch oder wahlweise das Gesicht bestraft wird. 

Also zurück zum idealen Kind... es verhält sich also unabhängig von der Situation immer ideal! Deswegen kippt es auch niemals literweise Milch unter die Küchenschränke und somit kann diese darunter auch nicht sauer werden - wäre ja auch ziemlich doof, denn unter den Schränken kann man nicht so sehr gut den Boden wischen. 
Eigentlich muss man mit dem idealen Kind aber sowieso nie Angst haben, dass etwas schmutzig werden könnte, das ideale Kind macht sich nämlich niemals schmutzig!


Das ideale Kind ist immer glücklich und tut immer, was man von ihm gerne möchte, es liest einem also praktisch jeden Wunsch von den Augen ab. 
Dieses Bild vom Fußboden ist also gestellt und die idealen Kinder haben sofort dafür gesorgt, dass es nicht mehr so aussieht - außerdem haben die Mamas dafür strafende Blicke erhalten:

Das ideale Kind ist sehr gut erzogen und verhält sich besonders in der Öffentlichkeit immer Kniggekonform, es kann sehr gut verstehen, warum man ihm keine Schokolade kaufen möchte und steht mit dem größten Vergnügen stundenlang an Kassen an (ohne in das Schokoladenregal zu greifen, versteht sich!) - das ideale Kind weint niemals, also wird man als Mama von fremden Menschen auch niemals seltsam angesehen, außerdem gibt es auch keine Tuscheleinen oder gar Leute, die einem hinterherlaufen und verständnislos mit dem Kopf schütteln - man muss diesen also auch niemals sagen, dass sie niemals klein waren und dass die Prügelstrafe mittlerweile gesetzlich verboten ist.
Alles, was man mit dem idealen Kind tut, macht Spaß - es kann sich aber auch sehr gut selber beschäftigen, besonders dann, wenn man gerade selber keine Zeit hat, besonders gerne wäscht es ab, putzt oder macht die Steuererklärung, außerdem gibt es auf Kommando Küsschen und kuschelt immer gerne mit der Mama, wenn diese das gerade möchte. 

In dieser Woche habe ich außerdem noch gelernt, dass das ideale Kind niemals etwas tun würde, was seine Mama nicht gut findet - z.B. Tapeten abreißen oder Kratzen und Beißen, Wäscheklammern werden auch niemals vom Balkon geschmissen und Eifersucht gibt es auch nicht. 
Weil das ideale Kind einfach so unglaublich ideal ist, hat sich mein Kaffeekonsum auch komplett auf 0,00nix reduziert und Schokolade esse ich auch keine mehr, denn das ideale Kind bringt seiner Mutter außerdem die ideale Figur (könnte auch an den Kochkünsten liegen...)! Diese Genussmittel sind also absolut nicht mehr notwendig, denn mit dem idealen Kind hat man immer FriedeFreudeSonnenschein... 

Du kannst also sehen, Kinder machen nur glücklich und es ist wirklich immer alles babyeierleicht. 

Das einzige, was nun noch ein bisschen dilletant ist, dass wirklich fast jede Mama, mit der ich mich unterhalte das ideale Kind daheim hat - ich kann aber nur jede Hoffnung zerstören, danach auf ihr rumtreten, sie vom Balkon schubsen und von oben drauf spucken:


Das ideale Kind findet sich überall - nur ganz bestimmt nicht bei dir Zuhause! 

Alle haben ein ideales Kind, nur du nicht!